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Meditation und Gebet
Viele Menschen beten. Nicht nur Juden, Muslime und Christen, sondern auch anders Religiöse. Selbst wer nicht von einem persönlichen Gott ausgeht, kann eine Art Gebet praktizieren. Mit Meditation ist es ähnlich. Sie wird in verschiedenen Religionen geübt, auch in weiteren Formen der Spiritualität, und es gibt auch christliche Meditation.
öffentliche Wahrnehmung
Wie stehen Meditation und Gebet eigentlich zueinander? Ist es das Gleiche? Oder ab wann ist Meditation Gebet? Neulich bei einem Kurs zum Herzensgebet kam diese Frage auf.
Im öffentlichen Diskurs wird Meditation häufig positiv bewertet: als Weg zu innerer Ruhe, Selbstfindung und Bewusstsein. Gebet dagegen erscheint manchen als Bitten oder sogar als Ausdruck von Abhängigkeit. Solche Sichtweisen sind jedoch oft verkürzt und geprägt von Vorurteilen gegenüber Religion und Kirche.
Früher war Meditation eng mit Spiritualität und religiösem Leben verbunden. Heute wird sie zunehmend unabhänig von Glaube verstanden.
Meditation wird aktuell oft wissenschaftlich begründet und als Methode zur Entspannung und Gesundheitsförderung genutzt. Programme wie Achtsamkeitsmeditation helfen beim Umgang mit Stress und psychischen Belastungen.
Neben der Sitzmeditation sind auch Yoga, Tai-Chi und Qigong verbreitet. In der Hirnforschung gilt Meditation als mentales Training, das Selbstwahrnehmung und Selbstregulation stärken kann.
Damit hat sich Meditation zunehmend vom religiösen Kontext gelöst und ist für viele Teil eines gesundheitsorientierten Lebensstils geworden.
Gebet sucht Verbindung
Ich sehe darin auch eine Suchbewegung nach einem heilen und stimmigen Leben. So erlebe ich jedenfalls Menschen ohne religiösen Hintergrund, die ab und an in meine Kurse kommen. Diese Menschen merken dann aber bei meinen Angeboten, dass es nicht nur um Entspannen und Leerwerden geht, sondern auch um Verbundenheit.
Verbundenheit – das ist mein großes Stichwort beim Beten. Gebet sucht Verbindung. Es ist beziehungsorientiert. Im Gebet kann ich einem Du begegnen. Bei Meditation braucht es das nicht. Sie funktioniert auch ohne eine Bezogenheit.
Gebet sucht Resonanz. Wer betet, will sich verbinden, in der Mystik sogar vereinen mit dem Göttlichen.Nach Verbundenheit sehnt sich jeder Mensch
Die christlichen Meditationsformen, die ich anleite, verstehe und vermittle ich als Gebet, weil sie in die Beziehung führen. Beim Herzensgebet ist es traditionell der Name Jesus Christus, der in sich die Kraft und das Potenzial hat, uns sowohl mit dem Göttlichen als auch mit dem Menschen und der Schöpfung zu verbinden. Jesus spricht davon, dass der Mensch in Verbindung mit ihm zu einer tiefen Quelle des Lebens finden kann. Wer in dieser Verbindung bleibt, kann Hoffnung, Güte und Freude erfahren und sie auch an andere weitergeben. Dabei geht es um ein Leben aus Vertrauen, innerer Verbundenheit und der Kraft, sich getragen und geführt zu wissen.
Verbundenheit bewirkt Mitgefühl und schafft ein Klima der Barmherzigkeit.
Wenn meine nicht ganz seltenen a-religiösen Teilnehmer mit dem Thema Verbundenheit in Berührung kommen, dann wird ihnen bewusst, dass dies ein relevantes Thema für sie ist, weil sie sich auch oft zersplittert, unverbunden, vereinzelt, abgeschnitten fühlen. Nach Verbundenheit sehnt sich jeder Mensch. Viele erleben diese Sehnsucht, wenn sie der Natur begegnen: Naturerfahrungen laden dazu ein, sich mit der Schöpfung, einem Baum, einer Landschaft zu verbinden. Das kann ein Anknüpfungspunkt sein, das Thema Gebet – als Erfahrung der Verbundenheit – ins Gespräch zu bringen. Manchen wird dann bewusst, dass sie gar nicht so a-religiös sind, wie sie dachten.Begegnung mit der bedingungslosen Liebe
Wenn ich Meditation anleite, die ich auch als Gebet verstehe, ist mein Ziel nicht das Leerwerden, wie es uns in vielen Meditationsschulen begegnet. Das Leerwerden ist wichtig, damit wir offen und aufnahmefähig werden: für das Unverfügbare, das Überraschende, für das, was wir als Christen Gottes Gegenwart und Gnade nennen. Wir brauchen die Leere, damit Gott sie füllen kann, doch sie ist kein Selbstzweck.
Wir werden nicht auf einmal gut, nur weil wir nach innen gehen. Das Herz ist erlösungsbedürftig, verletzlich, empfindlich, anfällig, ambivalent, liebend, empfänglich. Es braucht die Begegnung mit der liebevollen Annahme und der bedingungslosen Liebe Gottses.
Wer nicht nur meditiert, sondern auch betet, der weiß von der Süße der Gottesgegenwart. Es ist eine sinnliche und besondere Lebenserfahrung. Es bedeutet, in einer größeren Gegenwart und Zuwendung aufgehoben zu sein, einer Freude, die nicht in uns selbst begründet ist.
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